Positiv bleiben trotz Krisen – warum Aufgeben keine Option ist

Kriege, Klimakrise, Resignation – und trotzdem positiv bleiben? Martin und Philipp sprechen in Folge 11 über Krisenmüdigkeit, Energiewende und die kleinen Dinge, die Hoffnung machen. Ein ehrlicher Blick auf Deutschland und nach vorne.

Kriege, Klimakrise, steigende Preise und eine Gesellschaft, die den Kopf in den Sand steckt. Positiv bleiben trotz Krisen klingt da fast wie ein schlechter Witz. Aber genau darum geht es in unserer neuen Podcast-Folge. Wir fragen uns: Wie schaffen wir es, nicht abzustumpfen – und trotzdem nach vorne zu gucken?

Krisenmüdigkeit: Wenn alles zu viel wird

Kennst du das? Du scrollst durch die Nachrichten und nach drei Minuten willst du das Handy einfach weglegen. Iran-Krieg, Ukraine, Klimakatastrophen, politisches Chaos. Die nächste Hiobsbotschaft wartet schon. Und irgendwann passiert etwas Seltsames: Es berührt dich nicht mehr so richtig.

Genau darüber sprechen wir in Folge 11 von „Noch unser Deutschland?“. Martin bringt es auf den Punkt: Er ist völlig geflasht davon, wie resilient – oder besser gesagt abgestumpft – die ganze Welt mittlerweile gegen den ganzen Mist geworden sei. Es gebe kaum noch eine Meldung, die so richtig schocke.

Das ist Krisenmüdigkeit. Und sie betrifft nicht nur uns beide. Der Deutschland-Monitor 2025 zeigt, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung eine ambivalente Haltung gegenüber gesellschaftlichen Veränderungen einnimmt [1]. Viele Menschen fühlen sich gleichzeitig überfordert und ohnmächtig. Sie sehen die Probleme, wissen aber nicht, wie sie darauf reagieren sollen. Also machen sie einfach weiter. Und reden nicht mehr drüber.

Philipp beobachtet das in seinem Alltag ganz konkret. Er trifft täglich viele Menschen – und merkt: Keiner spricht mehr über die Krisen. Vor vier Jahren, als der Krieg in der Ukraine begann, gab es überall Gesprächsangebote, Spendenaufrufe, Anlaufstellen. Heute? Fast nichts. Beim Iran-Konflikt fallen ihm keine Fragen auf, keine adressierten Sorgen. Stattdessen reden alle über Benzinpreise. Dass bei Angriffen Kinder sterben, interessiert scheinbar weniger als der Preis an der Zapfsäule. Das macht etwas mit einem.

Jeder für sich – und keiner für alle?

Was uns beide besonders beschäftigt: Das Gefühl, dass jeder nur noch in seinem eigenen Kosmos lebt. Jeder ist sich selbst der Nächste. Die Gesellschaft packt Probleme nicht gemeinsam an. Und wer unbequeme Themen anspricht, stößt auf Abwehr.

Philipp erzählt, wie er bei der Arbeit manchmal Studien oder Fakten zu bestimmten Themen erwähnt. Die Reaktion? Meistens ein schnelles „Ja, nee, aber ich empfinde das anders.“ Und dann wird die Wissenschaft einfach beiseitegeschoben. Unangenehme Wahrheiten will niemand hören.

Gleichzeitig fühlt es sich so an, als ob die Politik auf Autopilot läuft. Statt innovative Lösungen voranzutreiben, wird am alten System festgehalten. Martin erinnert sich an Erzählungen von der Ölkrise in den 70er-Jahren. Damals gab es autofreie Sonntage, Rationierungen und echte Sparmaßnahmen. Die Gesellschaft reagierte. Heute? Man überlegt nur, wie man den Benzinpreis künstlich drücken kann. Tankrabatt statt Transformation.

Und dann haut die EU-Kommission raus, man wolle wieder auf Atomkraft setzen – mit unausgereiften Minikraftwerken. Gleichzeitig werden Förderungen für erneuerbare Energien zurückgefahren. Das ergibt für uns einfach keinen Sinn. Wir alle kennen die Lösungen. Wir setzen sie nur nicht um.

Erneuerbare Energien: Ein Lichtblick, der Mut macht

Trotz all dem Frust gibt es Momente, die uns positiv bleiben lassen trotz Krisen. Für Martin war so ein Moment der Besuch bei unserem neuen Windkraftwerk in Halver. Ein riesiges Ding, das gerade gebaut wird. Es soll Strom für über 7.000 Haushalte produzieren – das ist mehr als ein Drittel der Stadt.

So sehen echte Lösungen aus. Kein Gerede, kein Aufschieben, sondern konkrete Taten. Germanwatch bestätigt: Klimaneutralität bis 2045 ist möglich, wenn der Ausbau erneuerbarer Energien konsequent weitergeht [2]. Wind- und Solarenergie sind heute bereits in vielen Regionen die günstigsten Energiequellen. Und ein klimaneutrales Energiesystem wäre langfristig sogar preiswerter als das fossile System.

Wir haben selbst eine Solaranlage auf dem Dach. Martin rechnet vor, was die Fahrten ins Kino mit dem Diesel kosten würden – und vergleicht das mit dem E-Auto, das sich tagsüber vom Dach auflädt. Klar, das ist nicht für jeden erschwinglich. Aber es wird immer günstiger. Wenn man es endlich mal zu Ende denken würde.

Das Energiethema ist für uns ein Schlüssel. So viele Probleme hängen daran: Abhängigkeit von Öllieferungen, Konflikte im Nahen Osten, Klimawandel. Wenn wir die Energiewende endlich konsequent vorantreiben, lösen wir nicht nur ein Problem – wir lösen viele gleichzeitig.

Positiv bleiben trotz Krisen: Unser ganz persönlicher Weg

Klingt alles ziemlich groß und schwer. Und ehrlich gesagt: Wir haben auch keine Patentlösung für die Welt. Aber wir haben für uns selbst einen Weg gefunden, positiv zu bleiben trotz Krisen. Und der fängt ganz klein an.

Philipp spricht von Mindset. Nicht als leere Floskel, sondern als bewusste Entscheidung. Wenn er den ganzen Tag über Mist redet und sich runterziehen lässt, dann ist alles frustrierend und deprimierend. Wenn er sich stattdessen auf schöne Dinge konzentriert, nach vorne guckt und lösungsorientiert denkt – dann verändert das etwas.

Martin hat für sich eine ganz eigene Strategie entwickelt: Er hat sich eine Instagram-Pause verordnet. Geplant waren zwei Wochen, daraus sind drei Monate geworden. Kein Handy im Wald, keine Kamera, keine Posts hinterher. Stattdessen einfach mit den Hunden draußen sein. Und er sagt: Es war einfach echt schön.

Dieses Entschleunigen, dieses Rausgehen aus dem digitalen Hamsterrad – das ist vielleicht einer der wichtigsten Schritte. Sich nicht ständig zwanghaften Zeitplänen und Erscheinungsterminen unterwerfen. Sondern dann sprechen, wenn man etwas zu sagen hat.

Dazu kommen die kleinen Dinge vor Ort. Wir engagieren uns in der Dorfgemeinschaft, trainieren für den Dorflauf, arbeiten an Projekten in der Partei. Wir machen Sport, genießen die Zeit mit den Hunden, finden unsere Balance. Wir finden: Man muss selbst aus dem Quark kommen und sich eine schöne Zeit machen.

Raus aus der Komfortzone – rein ins Abenteuer

Und dann ist da noch der Heku. Unser altes Wohnmobil, Baujahr irgendwann in den 80ern. Motor mit ein paar Hunderttausend Kilometern auf dem Buckel. Dusche (noch) kaputt. Dichtigkeit fragwürdig. Aber: Er springt an. Und wir fahren damit nach Slowenien.

Klingt gewagt? Vielleicht. Aber genau darum geht es. Nicht alles zerdenken. Nicht warten, bis alles perfekt ist. Einfach machen. Martin schraubt gerade den Warmwasser-Boiler wieder zusammen – ein Edelstahltopf mit zwei Röhrchen, der aussieht wie Omas Schnellkochtopf. Ob die Dusche rechtzeitig fertig wird? Keine Ahnung. Aber das ist Teil des Abenteuers.

Philipp gibt zu: Die Vorstellung, auf der A45 liegen zu bleiben, beunruhigt ihn schon. Aber am Ende sagt er auch: Wir müssen einfach was probieren. Und wenn was kaputt geht, repariert man es halt.

Das ist vielleicht die beste Metapher für unseren Umgang mit den Krisen um uns herum. Nicht alles ist perfekt. Vieles ist kaputt. Aber man kann Dinge reparieren. Man kann losfahren, auch wenn man nicht weiß, ob man ankommt. Und meistens wird es am Ende besser als befürchtet.

Und jetzt? Mach es wie wir – fang klein an

Positiv bleiben trotz Krisen bedeutet nicht, die Augen vor den Problemen zu verschließen. Es bedeutet, sie zu sehen – und trotzdem weiterzumachen. Im Kleinen anfangen. Sich engagieren, wo man kann. Die Energiewende unterstützen, auch wenn es nur die Solaranlage auf dem Dach ist. Rausgehen, ohne Handy, ohne Kamera. Und vielleicht auch mal in einen alten Camper steigen und einfach losfahren.

Wir erzählen euch bald, wie es in Slowenien war. Ob der Heku durchgehalten hat. Ob die Dusche funktioniert. Und ob Philipp am Ende tatsächlich frische Oliven gegessen hat. Bis dahin: Hört rein in Folge 11 und erzählt uns – was macht euch gerade Hoffnung?

[1] Deutschland-Monitor 2025, Hauptbericht – Gesellschaftliche und politische Einstellungen

[2] Germanwatch: „Warum 100 % erneuerbare Energien möglich, sinnvoll und sicher sind“