Ein Grund, warum wir uns immer öfter in unserem Land unwohl fühlen, ist die Art, wie Menschen hier miteinander kommunizieren. Fast täglich hören wir von Populismus, Extremismus oder Fake News. Aber was genau ist damit gemeint? Ist das wirklich ein Problem? Und was können wir dagegen tun? Uns ist es ist wichtig, die Mechanismen hinter diesen Phänomenen zu verstehen, um sie richtig einzuschätzen und um darauf reagieren zu können. Nur wenn du ein Problem erkennst und verstehst, kannst du etwas dagegen tun. Genau darum geht es in diesem Beitrag und in unserer Episode 2.
Was bedeuten Populismus, Extremismus und Fake News überhaupt?
Populismus, Extremismus und Fake News – diese Begriffe hörst du fast täglich in den Nachrichten. Aber was steckt eigentlich genau dahinter? Das haben wir uns mal genauer angeschaut und Folgendes herausgefunden.
Populismus teilt die Gesellschaft in „wir hier unten“ gegen „die da oben“ ein. Populisten behaupten, sie würden den „wahren Volkswillen“ vertreten, während die „Elite“ angeblich gegen die Interessen des „einfachen Volkes“ handelt. Sie bieten scheinbar einfache Lösungen für komplexe Probleme an. Das klingt erstmal verständlich, aber es führt zu einer gefährlichen Vereinfachung.
Extremismus geht noch weiter. Hier werden demokratische Grundwerte komplett abgelehnt. Ein Beispiel für eine extrem rechte Gruppe ist die Atomwaffen-Division (AWD), ein internationales neonazistisches Terrornetzwerk. Diese Gruppe wurde 2015 in den USA gegründet und rekrutiert vor allem junge weiße Männer über rechtsextreme Online-Foren. Ihr Ziel ist erschreckend: Sie wollen einen gesellschaftlichen Zusammenbruch herbeiführen, um ein rassistisches Regime zu errichten [1]. Ebenso offensichtlich gefährlich sind extremistische Anschläge, die immer wieder für Schlagzeilen sorgen. Doch es geht auch subtiler – wofür die AfD ein gutes Beispiel ist. Die AfD wurde 2025 vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ eingestuft. Ihre Taktik: Die Grenzen des Sagbaren immer weiter aufweichen und so eine Akzeptanz auf breiter Basis für extremistische Ansichten zu schaffen.
Fake News sind bewusst verbreitete Falschinformationen, die oft emotional aufgeladen sind. Sie werden gezielt eingesetzt, um die öffentliche Meinung zu manipulieren und Verwirrung zu stiften.
Warum diese Phänomene unsere Demokratie gefährden
Diese drei Phänomene bedrohen unsere Demokratie, weil sie das Vertrauen in demokratische Institutionen untergraben. Populisten und Extremisten nutzen Fake News als Werkzeug, um Ängste zu schüren und Hass zu verbreiten.
Ein aktuelles Beispiel für die Gefährlichkeit solcher Tendenzen zeigt sich in Deutschland. Im Januar 2024 veröffentlichte das Recherche-Netzwerk Correctiv einen Bericht über ein Geheimtreffen in Potsdam. Dort wurde über „Remigration“ diskutiert – also die Abschiebung von Menschen mit Migrationshintergrund, selbst wenn sie deutsche Staatsbürger sind. Diese rassistische Hierarchisierung von Menschen ist mit der unantastbaren Würde aller Menschen nicht vereinbar und damit verfassungswidrig [2].
Ein Blick in die Geschichte: Was wir aus der Vergangenheit lernen können
Die deutsche Geschichte zeigt uns eindringlich, wohin extremistische Ideologien führen können. Die Nationalsozialisten nutzten populistische Methoden und gezielte Falschinformationen, um an die Macht zu kommen und sie zu festigen. Sie schufen Feindbilder, verbreiteten Verschwörungstheorien und höhlten demokratische Strukturen systematisch aus.
Diese historischen Erfahrungen sind ein wichtiger Grund, warum Deutschland bis heute eine „wehrhafte Demokratie“ ist. Unsere Verfassung schützt nicht nur demokratische Prozesse, sondern auch die Werte, auf denen diese Prozesse beruhen. Und deshalb müssen wir diese Verfassung schützen!
Wie Populismus, Extremismus und Fake News heute funktionieren
In der digitalen Welt verbreiten sich Fake News und populistische Botschaften schneller denn je. Besonders in sozialen Medien erreichen sie ein großes Publikum, ohne dass ihre Richtigkeit überprüft wird.
Obwohl soziale Medien nicht die Hauptnachrichtenquelle für die meisten Menschen sind, haben sie trotzdem großen Einfluss. Warum? Weil besonders zugespitzte, populistische oder extremistische Inhalte dort eine höhere Reichweite erzielen als neutrale, sachliche Informationen [3].
Wie beeinflusst das besonders junge Menschen?
Viele denken, dass vor allem junge Menschen für populistische und extremistische Botschaften anfällig sind. Aber stimmt das wirklich? Die Shell-Jugendstudie zeigt ein differenzierteres Bild:
- 46% der Jugendlichen sehen sich als „links“ oder „eher links“
- 26% verorten sich in der „Mitte“
- Nur 18% bezeichnen sich als „rechts“ oder „eher rechts“ [4]
Trotzdem sind Jugendliche offener für autoritäre Positionen geworden. Etwa die Hälfte befürwortet Aussagen wie „Eine starke Hand müsste mal wieder Ordnung in unseren Staat bringen“ [4].
Besonders besorgniserregend: Die Zustimmung zu Verschwörungstheorien ist bei jungen Menschen in den letzten Jahren gestiegen [4]. Plattformen wie TikTok spielen dabei eine wichtige Rolle – sie werden mittlerweile als „Leitmedium“ für politische Inhalte unter Jugendlichen betrachtet [4].
Die AfD: Ein Beispiel für Populismus und Extremismus in Deutschland
Die Alternative für Deutschland (AfD) nutzt alle drei besprochenen Mechanismen: Populismus, extremistische Tendenzen und die Verbreitung von Fake News.
Der Verfassungsschutz hat Teile der Partei als rechtsextremistisch eingestuft. Die Partei verfolgt nach Experteneinschätzung ein völkisch-nationalistisches Programm und propagiert einen homogenen Volksbegriff, der im Widerspruch zur Menschenwürde und den demokratischen Grundprinzipien des Grundgesetzes steht [2].
Was kannst du im Alltag gegen Populismus, Extremismus und Fake News tun?
Es ist wichtig, diese Phänomene nicht nur zu erkennen, sondern auch dagegen aktiv zu werden. Hier sind konkrete Tipps für den Alltag:
Fake News erkennen und widerlegen
Wie erkenne ich Fake News?
Fake News haben oft folgende Merkmale:
- Sie wecken starke emotionale Reaktionen
- Sie sind extrem vereinfacht und bieten „eindeutige“ Erklärungen für komplexe Probleme
- Die Quellen sind unklar oder nicht vertrauenswürdig
- Sie verbreiten sich hauptsächlich über soziale Medien, nicht über etablierte Nachrichtenkanäle
Was tun, wenn ich Fake News begegne?
- Nicht sofort teilen – erst recherchieren!
- Die Quelle prüfen: Ist sie vertrauenswürdig?
- Nach weiteren Berichten zum Thema suchen: Berichten auch seriöse Medien darüber?
- Faktencheck-Seiten nutzen, z.B. Mimikama oder Volksverpetzer
Wenn du Fake News in deinem Umfeld bemerkst, reagiere ruhig aber bestimmt. Teile deine Zweifel mit und erkläre, warum du glaubst, dass es sich um Falschinformationen handelt. Manchmal reicht schon die Frage: „Woher weißt du das? Kannst du mir die Quelle zeigen?“
Mit Populismus im Alltag umgehen
Populistische Aussagen begegnen dir überall – am Stammtisch, in der Familie oder im Freundeskreis. Wie gehst du damit um?
- Nachfragen statt konfrontieren: „Was genau meinst du damit?“ oder „Kannst du das näher erklären?“
- Fakten einbringen: „Ich habe gelesen, dass…“
- Persönliche Erfahrungen teilen: „Ich kenne das anders, weil…“
- Perspektivwechsel anregen: „Wie würdest du dich fühlen, wenn…?“
Das Ziel ist nicht, die andere Person bloßzustellen, sondern zum Nachdenken anzuregen und die Diskussion zu vertiefen.
Dem Extremismus entgegentreten
Extremistische Äußerungen sind oft schwieriger zu handhaben als „nur“ populistische. Hier ist es wichtig:
- Grenzen setzen: „Diese Aussage ist menschenfeindlich und ich akzeptiere sie nicht.“
- Solidarität zeigen: Steh auf der Seite von Menschen, die angegriffen werden
- Unterstützung holen: Du musst nicht allein gegen extremistische Äußerungen ankämpfen
Wenn du online auf extremistische Inhalte stößt, melde sie bei den Plattformbetreibern. Bei strafrechtlich relevanten Äußerungen kannst du auch Anzeige erstatten.
Warum dein Engagement wichtig ist
Die Gefährdung unserer Demokratie ist nicht abstrakt – sie findet im Alltag statt. Jede populistische Parole, die unwidersprochen bleibt, jede Fake News, die weiterverbreitet wird, und jede extremistische Äußerung, die ohne Widerspruch hingenommen wird, trägt zur Erosion unserer demokratischen Kultur bei.
Die Geschichte lehrt uns, dass Demokratien nicht nur durch gewaltsame Umstürze enden können. Viel häufiger werden sie langsam ausgehöhlt, indem demokratische Institutionen zwar formal bestehen bleiben, aber inhaltlich entleert werden.
Wie kannst du die Demokratie konkret stärken?
- Informiere dich aus verschiedenen, vertrauenswürdigen Quellen
- Übe konstruktive Kritik – Demokratie lebt von Auseinandersetzung
- Engagiere dich – in Vereinen, Initiativen oder politischen Organisationen
- Geh wählen und ermutige andere dazu
- Sprich mit Menschen, die andere Meinungen haben, aber bleib dabei respektvoll
Demokratie braucht dich!
Es geht bei diesen Themen nicht um abstrakte politische Theorie, sondern um unseren Alltag und die Zukunft unserer Gesellschaft. Die Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit – sie muss immer wieder neu verteidigt und gelebt werden.
Das klingt nach einer großen Aufgabe. Und das ist es auch. Aber jeder kleine Schritt zählt. Wenn du das nächste Mal eine Falschinformation identifizierst und nicht weiterleitest, wenn du in einer Diskussion nachfragst statt zu schweigen oder wenn du dich informierst, bevor du dir eine Meinung bildest – dann stärkst du bereits unsere Demokratie.
Wir alle tragen Verantwortung für unsere demokratische Gesellschaft. Nicht nur Politiker, Journalisten oder Aktivisten, sondern jeder Einzelne von uns. Wenn wir die Mechanismen von Populismus, Extremismus und Fake News verstehen und ihnen aktiv entgegentreten, können wir dafür sorgen, dass unsere Demokratie stark und lebendig bleibt.
Und jetzt bist du dran: Wie reagierst du beim nächsten Mal, wenn dir Populismus, Extremismus oder Fake News begegnen?