Werden wir uns ein 41 Jahre altes Wohnmobil kaufen?

Ein 41 Jahre alter Ducato, jede Menge Roststories von Kleinanzeigen und die Frage: Ergibt es Sinn, so ein altes Wohnmobil zu kaufen? In dieser Folge und im Blog nehmen wir dich mit in unser Heku-Projekt – zwischen Vanlife-Romantik, nachhaltigem Reisen und der Angst vor der ultimativen Rostbeule.

Ein altes Wohnmobil kaufen – ist das eigentlich eine gute Idee oder einfach nur komplett wahnsinnig? Diese Frage haben wir uns in den letzten Wochen ungefähr 1.000 Mal gestellt. Am Ende poppt da nun dieses Heku bei Kleinanzeigen auf. Ein Camper auf Basis eines uralten Fiat Ducato, Baujahr Anfang der Achtziger, 450.000 Kilometer auf der Uhr, ohne Servolenkung, aber mit jeder Menge Geschichte im Gepäck.

In unserem Podcast „Noch unser Deutschland?“ nehmen wir dich in Episode 7 mit in genau dieses Projekt. Wir erzählen, wie aus einem „Ach, lass mal just for fun in Kleinanzeigen gucken“ plötzlich eine ziemlich konkrete Entscheidung wurde: Kaufen wir wirklich ein über 40 Jahre altes Wohnmobil – ja oder nein?

Warum überhaupt ein alter Camper?

Wenn man „altes Wohnmobil kaufen“ googelt, bekommt man schnell das Gefühl: Entweder du wirst arm – oder du wirst wahnsinnig. Rost, Feuchtigkeit, kaputte Technik, fragwürdige Vorbesitzer*innen. Und trotzdem hat uns der Gedanke nicht losgelassen.

Für uns geht es beim Camper nicht darum, in einem rollenden Luxus-Hotel mit Regendusche und Heimkino über überfüllte Campingplätze zu tingeln. Wir wünschen uns das Gegenteil: ein bisschen Abenteuer, viel Natur, ruhige Stellplätze abseits des Trubels – und ein Zuhause auf Rädern, das zu unserem Leben passt. Zwei Dalmatiner, ein paar Fahrräder, ein paar Nudeln im Topf, vielleicht eine Dose Ravioli für Notfälle – fertig.

Ein neues Wohnmobil kam für uns aus zwei Gründen nicht in Frage:

  1. Geld: Ein moderner Van mit Insta-tauglichem Ausbau sprengt einfach unser Budget.
  2. Nachhaltigkeit: Für ein neues Fahrzeug wird enorm viel Energie und Material in die Produktion gesteckt. Der CO₂-Rucksack ist riesig, bevor der Wagen überhaupt einen Meter gefahren ist. Wir „predigen“ immer: Der beste Kauf ist der Kauf von etwas Gebrauchtem. Jetzt können wir uns an unsere eigene Regel halten.

Ein alter Camper steht längst auf irgendeinem Hof. Wenn wir den weiterfahren, statt ein neues Fahrzeug bauen zu lassen, fühlt sich das für uns – bei aller Ehrlichkeit über den alten Diesel – zumindest ein Stück nachhaltiger an. Rein rechnerisch können wir sehr lange damit fahren, bis die Öko-Bilanz vom Neufahrzeug mit Blick auf den CO₂-Ausstoß besser ist, als die vom alten Van – einfach, weil die Produktion ein so großer Faktor ist.

Zwischen Rostschock und Heku-Liebe

Der Weg zum Heku führte über einige eher zweifelhafte Begegnungen auf Kleinanzeigen. Vieles klang im Text nach „Liebhaberstück“, sah auf den Fotos aber eher nach „The Walking Dead“-Requisite aus. Formulierungen wie „Innenraum mit Potenzial“ oder „mir ist keine feuchte Stelle bekannt“ haben wir irgendwann automatisch übersetzt: Kernsanierung nötig, besser weiter scrollen.

Trotzdem haben wir uns natürlich ein paar Kandidaten live angeschaut. Und da wurde schnell klar: Innen kann man vieles richten – aber wenn die Struktur nass und weich ist, wird es richtig teuer. Ein bisschen Patina ist okay, Schimmel und verfaulte Wände eher nicht.

Beim Heku war das anders. Erste Hand, jahrzehntelang von einem älteren Ehepaar gefahren, die Wartungshistorie ordentlich gesammelt in einem Ordner, der Camper im Sommer in der Halle geparkt. Im Videocall erzählte der Verkäufer offen von den Macken, schickte uns Unterbodenfotos, machte keinen Druck. Genau dieses Bauchgefühl haben wir gesucht.

Woran wir ein gutes altes Wohnmobil festmachen

Auch wenn wir keine gelernten Kfz-Profis sind, haben wir uns in das Thema reingenerdet. Ein paar Dinge, auf die wir bei unserem Projekt achten:

  • Rost: Unterboden, Rahmen, typische Schwachstellen (z.B. Fensterrahmen) genau anschauen. Wenn man mit dem Schraubenzieher schon durch das Blech pieksen kann, ist es meist zu spät.
  • Dichtigkeit: Muffiger Geruch, Wasserflecken und weiches Holz sind Warnsignale. Ein älteres Fahrzeug darf mal undicht gewesen sein – entscheidend ist, ob es rechtzeitig und ordentlich repariert wurde.
  • TÜV & Historie: Ein frischer TÜV alleine ist kein Garant, aber ein gutes Zeichen. Noch spannender wird es, wenn man sieht, was über Jahre hinweg wirklich gemacht wurde: Motorrevision, Kupplung, Bremsen, Gasprüfung.
  • Vorbesitzer*innen: Für uns ein emotionaler Punkt. Jemand, der sein Wohnmobil 30 oder 40 Jahre behält, hängt in der Regel daran – und pflegt es entsprechend.

Unser Learning: Ein altes Wohnmobil kaufen ist immer ein Risiko. Aber man kann das Risiko kleiner machen, wenn man sich Zeit nimmt, Fragen stellt, sich Fotos schicken lässt und das eigene Bauchgefühl ernst nimmt.

Freiheit statt Luxus – warum der Oldtimer zu uns passt

Ja, ein alter Ducato ist lauter, langsamer und unkomfortabler als ein moderner Van. Mit 80 km/h auf der rechten Spur und ohne Servolenkung fühlt sich jede Autobahnauffahrt wie eine kleine Expedition an. Aber genau das macht für uns den Reiz aus.

Freiheit bedeutet für uns nicht fünf Sterne, Regenwalddusche und Netflix im Camper. Freiheit heißt:

  • morgens von Vogelgezwitscher geweckt werden statt vom Hotelbuffet-Stress,
  • an einem abgelegenen See zu stehen, wo es legal ist, statt auf einem überfüllten Campingplatz,
  • weniger haben und dafür mehr erleben.

Ein altes Wohnmobil ist für uns ein Experiment: Wie viel Komfort brauchen wir wirklich? Wie sehr entschleunigt es den Alltag, wenn man wieder mehr selber machen muss – Wasser holen, kochen, heizen, kleine Pannen lösen? Und hilft uns dieses Projekt vielleicht auch bei der großen Frage unseres Podcasts: Bleiben wir in Deutschland – oder zieht es uns irgendwann doch weiter in die Welt?

Die ehrliche Antwort kennen wir noch nicht. In Episode 7 hörst du aber, wo wir gerade stehen: kurz vor der Entscheidung, ob der Heku wirklich bei uns auf den Hof rollt. Und eins können wir jetzt schon sagen: Allein der Weg dahin hat uns gezeigt, wie viel Emotion und Hoffnung in der scheinbar simplen Frage steckt, ob man ein altes Wohnmobil kaufen soll oder lieber die Finger davon lässt.