Jeder Kauf ist eine Abstimmung über die Zukunft unseres Planeten. Nachhaltige Alternativen zu Temu & Co. existieren – du hast die Wahl.
Hast du dir schon mal überlegt, welche Kettenreaktionen dein letzter Online-Einkauf ausgelöst hat? Mit jedem Klick auf den Bestell-Button entscheiden wir, welche Unternehmen wir unterstützen. Wir haben mit unserem Konsumverhalten eine große Entscheidungsmacht. Wir supporten entweder globale Umweltschweine, die ihre Angestellten ausnutzen oder regionale, nachhaltige Unternehmen mit Wertschöpfung in der Region.
Die versteckten Kosten unserer Schnäppchenjagd
Unser Konsum hat längst globale Dimensionen angenommen. Die Smartphones in unseren Taschen, die Kleidung an unserem Körper und die Schokolade in unserem Kühlschrank – fast alles stammt aus komplexen, weltumspannenden Lieferketten. Was auf den ersten Blick bequem und günstig erscheint, verursacht oft unsichtbare Folgekosten.
Diese Kosten werden jedoch selten dort getragen, wo wir als Konsumenten sie sehen können. Stattdessen verschieben wir die Probleme in andere Länder: Umweltverschmutzung in chinesischen Fabriken, ausbeuterische Arbeitsbedingungen in bangladeschischen Textilfabriken oder Kinderarbeit auf westafrikanischen Kakaoplantagen.
Die Billigpreise, die wir beim Einkauf so lieben, haben einen versteckten Preis. Sie werden möglich durch niedrige Umweltstandards, mangelnden Arbeitsschutz und fehlende soziale Absicherung in den Produktionsländern. Letztlich zahlen andere Menschen – und unser Planet – die Rechnung für unseren günstigen Konsum.
Temu, Shein & Co: Die dunkle Seite der Billig-Plattformen
Die ultimative Steigerung unserer Schnäppchenjagd sind Online-Marktplätze wie Temu. Seit 2023 in Deutschland aktiv, verführt die Plattform mit extrem günstigen Produkten aus China und aggressivem Marketing. Der Erfolg ist beeindruckend: 2024 wurde die App weltweit über 544 Millionen Mal heruntergeladen. Analysten schätzen den Umsatz für 2025 auf 70-80 Milliarden US-Dollar.
Aber was steckt hinter diesem Erfolg? Temu agiert als digitaler Marktplatz, auf dem überwiegend chinesische Verkäufer ihre Waren direkt an europäische Kunden verkaufen – ohne eigene Lager oder Eigenmarken.
Warum sind Temu-Produkte so billig?
Der niedrige Preis hat seinen Grund. Laut einer GfK-Umfrage berichten zwei von fünf Nutzern von negativen Erfahrungen: 15% der Produkte gingen schnell kaputt, 10% funktionierten gar nicht.
Die Verbraucherzentrale warnt ausdrücklich vor geringen Sicherheits- und Qualitätsstandards, besonders bei:
- Elektronik
- Spielzeug
- Haushaltswaren
Bei Testkäufen des NDR fielen Temu-Produkte durch eklatante Sicherheitsmängel auf. Ein Dampfgarer hatte keinen Schuko-Stecker, bei einer Lichterkette und einem Ladegerät bestand sogar Stromschlaggefahr. Die italienische Verbraucherorganisation Altroconsumo fand unter 15 getesteten Produkten kein einziges einwandfreies – darunter ein Teddybär mit verschluckbaren Kleinteilen und ein E-Scooter-Helm mit defektem Kinnriemen.
Besonders beunruhigend: Mehr als 85% der Produkte von Temu sollen laut der „Plagiarius“-Jury gegen EU-Sicherheitsstandards verstoßen. Im Juli 2025 leitete die EU-Kommission ein formelles Verfahren gegen Temu wegen Verstößen gegen das Digitale-Dienste-Gesetz ein.
Neben Sicherheitsmängeln bergen viele Produkte gesundheitliche Risiken. Tests des BUND und RTL-Extra zeigten, dass Temu-Produkte oft gesundheitsgefährdende Chemikalien enthalten:
- Phthalate
- Chlorparaffine
- PFAS („Ewigkeitschemikalien“)
- Nitrosamine
Diese Schadstoffe sind besonders problematisch bei Kleidung, Spielzeug und Küchenartikeln – also Produkten, die direkten Kontakt mit unserem Körper haben.
| Kritikpunkt | Details |
| Produktsicherheit | 85% der Produkte verstoßen gegen EU-Standards |
| Gesundheitsrisiken | Schädliche Chemikalien in vielen Produkten |
| Kundenerfahrung | 2,4 von 5 Sternen auf Trustpilot („mangelhaft“) |
| Soziale Verantwortung | Verdacht auf Zwangsarbeit in Lieferketten |
| Umweltauswirkung | Hohe CO₂-Emissionen durch Luftfracht |
Die sozialen Probleme sind ebenso gravierend: Ein US-Kongressausschuss warnt vor einem „extrem hohen Risiko“, dass die Lieferketten von Temu durch Zwangsarbeit in der westchinesischen Region Xinjiang kontaminiert sind.
Wie Temu dich zum Kaufen verleitet
Temu setzt auf psychologische Tricks, um dich zum Kaufen zu animieren. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) mahnte Temu im März 2024 wegen sogenannter „Dark Patterns“ ab – manipulativer Designpraktiken, die dich zum Kauf drängen sollen. Die EU-Kommission kritisiert zudem irreführende Rabattaktionen, gefälschte Bewertungen und komplizierte Rückgabeprozesse.
Aus Kundensicht ist das Gesamtbild ernüchternd: Die Trustpilot-Bewertung von Temu lag 2025 bei nur 2,4 von 5 Sternen („mangelhaft“). Nutzer berichten von langen Lieferzeiten, beschädigten Produkten und komplizierten Rückerstattungen.
Fast Fashion: Der hohe Preis billiger Kleidung
Ähnlich wie bei Temu verhält es sich bei Billigmode von Ketten wie Primark oder KiK. Das Geschäftsmodell der Fast Fashion basiert auf schnellem Konsum: Kleidung wird gekauft, kurz getragen und schnell wieder entsorgt.
Die ökologischen Folgen sind verheerend. Die Textilproduktion:
- Verbraucht enorme Mengen Wasser
- Setzt gefährliche Chemikalien frei
- Erzeugt große CO₂-Emissionen durch lange Transportwege
Soziale Probleme kommen hinzu: In Bangladesch, Indien oder Pakistan nähen Arbeiter unter gefährlichen Bedingungen für Hungerlöhne unsere Billigkleidung.
Nachhaltiger Konsum ist möglich
Dabei gibt es Alternativen: Nachhaltige Modelabels setzen auf:
- Langlebige Qualität statt Massenware
- Faire Arbeitsbedingungen und existenzsichernde Löhne
- Umweltschonende Materialien und Produktionsverfahren
Noch nachhaltiger ist es, weniger zu kaufen. Drei hochwertige Shirts statt 20 billige T-Shirts schonen Umwelt und Geldbeutel. Second-Hand-Kauf verlängert die Lebensdauer vorhandener Kleidung und spart Ressourcen.
Dubai Schokolade vs. nachhaltige Kakaoprodukte
Ein weiteres Beispiel für problematischen Konsum ist der Hype um Dubai Schokolade. Diese steht stellvertretend für viele Luxusprodukte, die primär durch Marketing und Exklusivität überzeugen, während die Produktionsbedingungen im Dunkeln bleiben.
Konventionelle Schokolade – ob Luxusvariante oder Supermarktprodukt – basiert meist auf Kakao, der unter fragwürdigen Bedingungen angebaut wird:
- Kinderarbeit ist auf vielen westafrikanischen Kakaoplantagen Alltag
- Bauern erhalten nur einen Bruchteil des Verkaufspreises
- Monokulturen zerstören Regenwälder und Biodiversität
Die nachhaltige Alternative: Schokofahrt und faire Schokolade Es gibt jedoch Hersteller, die beweisen, dass Schokolade anders produziert werden kann. Ein faszinierendes Beispiel ist die „Schokofahrt“: Hier wird Kakao per Segelschiff transportiert, um CO₂-Emissionen zu minimieren. Andere Hersteller setzen auf:
- Direkten Handel mit den Kakaobauern
- Höhere Preise für die Produzenten
- Ökologischen Anbau ohne Pestizide
- Transparente Lieferketten
Diese Schokolade kostet mehr – bietet aber Genuss ohne bitteren Nachgeschmack.
Wie wir besser konsumieren können
Angesichts dieser Probleme stellt sich die Frage: Wie können wir besser einkaufen? Hier sind konkrete Tipps für nachhaltigeren Konsum:
1. Vor dem Kauf innehalten
- Brauche ich diesen Artikel wirklich?
- Welche Alternative gibt es zum Neukauf?
- Kann ich das Produkt leihen, tauschen oder gebraucht kaufen?
2. Qualität statt Quantität wählen
- Lieber weniger, aber bessere Produkte kaufen
- Auf Langlebigkeit und Reparierbarkeit achten
- Den Preis pro Nutzung statt den Anschaffungspreis bedenken
3. Die Herkunft recherchieren
- Wo und wie wurde das Produkt hergestellt?
- Gibt es Informationen zur Lieferkette?
- Welche Umwelt- und Sozialstandards gelten?
4. Auf Siegel und Zertifikate achten
- Fair Trade, GOTS, Blauer Engel etc.
- Aber: Vorsicht vor Greenwashing!
5. Regional und saisonal einkaufen
- Kurze Transportwege schonen das Klima
- Lokale Wirtschaft und Arbeitsplätze werden gestärkt
- Bessere Kontrolle über Produktionsbedingungen
Frage: Muss nachhaltiger Konsum immer teurer sein?
Nicht unbedingt! Wer weniger, aber bewusster kauft, spart langfristig sogar Geld. Ein qualitativ hochwertiges T-Shirt für 40 Euro, das fünf Jahre hält, ist günstiger als fünf Shirts für je 10 Euro, die nach einer Saison aussehen wie Putzlappen.
Gebrauchtware ist oft ein echter Preistipp: Auf Flohmärkten, in Second-Hand-Läden oder Online-Plattformen findest du hochwertige Produkte zum Bruchteil des Neupreises. Auch Reparieren statt Wegwerfen schont Umwelt und Geldbeutel.
Die Macht der kleinen Entscheidungen
Unsere täglichen Kaufentscheidungen mögen individuell klein erscheinen, summieren sich aber zu einer enormen kollektiven Wirkung:
- Jeder Euro ist eine Stimme für oder gegen bestimmte Produktionsmethoden
- Dein Konsumverhalten beeinflusst dein soziales Umfeld
- Veränderte Nachfrage zwingt auch große Unternehmen zum Umdenken
Du entscheidest mit jedem Einkauf:
- Welche Unternehmen du unterstützt
- Welche Werte du förderst
- Welche Welt du mitgestaltest
Kleine Schritte, große Wirkung
Perfekt nachhaltiger Konsum ist kaum möglich – aber das sollte uns nicht entmutigen. Jeder kleine Schritt zählt:
- Ein bewusster Verzicht auf Temu-Käufe
- Der Besuch im Unverpackt-Laden statt im Supermarkt
- Die Entscheidung für ein Fair-Trade-Produkt
- Das Ausleihen statt Kaufen eines Werkzeugs
Diese kleinen Verhaltensänderungen summieren sich und können langfristig zu einer nachhaltigeren Lebensweise führen. Du musst nicht von heute auf morgen alles umkrempeln – beginne mit einem Bereich, der dich besonders interessiert.
Fazit: Die Wahl liegt bei dir
Wir alle haben enormen Einfluss darauf, wie unsere Welt von morgen aussehen wird. Mit jedem Klick im Online-Shop, mit jedem Gang an die Supermarktkasse entscheidest du, welche Produktionsweisen du unterstützt und welche du ablehnst.
Die gute Nachricht: Du hast die Wahl. Du kannst den Billigplattformen wie Temu den Rücken kehren und stattdessen auf nachhaltigere Alternativen setzen. Du kannst Fast Fashion meiden und auf langlebige Kleidung setzen. Du kannst faire Schokolade statt Massenware kaufen.
Denk beim nächsten Einkauf daran: Deine Kaufentscheidung ist mächtiger, als du vielleicht glaubst. Sie kann eine Kettenreaktion auslösen – im Positiven wie im Negativen. Welche Reaktion willst du in Gang setzen?